Lutz Michaelis
Eine private Homepage.

Stefan Diestelmann

Stefan Diestelmann (Foto: unbekannt)Stefan Mathias Diestelmann (*29.01.1949 in München, Deutschland; †27.03.2007 Tutzing, Deutschland), Autodidakt, Sänger, Gitarrist, Mundharmonikaspieler, Textautor und Komponist lebte bis 1985 in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), danach in der Bundesrepublik Deutschland (BRD).

Nach dem Mauerbau aus dem Westen in den Osten Deutschlands gekommen, sein Vater hatte einen Vertrag mit der DEFA, war Diestelmann immer ein Außenseiter. Er zog sich in die Musik zurück und orientierte sich am Blues der Afroamerikaner, den er auf die damaligen Verhältnisse in der DDR übertrug. Da der Blues als die Musik der Unterdrückten im Kapitalismus galt, feierte er schnell Erfolge. Diestelmann hatte die Anerkennung gefunden, die er immer suchte. Er spielte mit Stars wie Louisiana Red, Memphis Slim, Alexis Korner oder privat in seiner Wohnung mit Phil Wiggins. Nun aber machte sich der Autodidakt selbst zum Star, machte sich größer als er tatsächlich war. Diestelmann, der Geschichtenerzähler, nicht nur in seinen Liedern. Dabei blieb die Wahrheit oftmals auf der Strecke. So wurde aus einer 10-monatigen Haftstrafe wegen Vorbereitung einer Republikflucht, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetz wurde, eine 3-jährige Haftstrafe oder er erzählte von der Zeit im Umerziehungslager Regis-Breitingen, die es nicht gab.

Mit Band 1982 in Prag (Quelle: http://www.koenau.de/)Anfangs spielte Diestelmann in verschiedenen Amateurbands, dann kurz in der Bluesband Engerling, ehe er dann 1977 seine "Stefan Diestelmann Folk Blues Band" gründete. Zur Erstbesetzung gehörten: Dietrich Petzold (Violine. Perkussion), Rüdiger Phillipp (Kontrabass) und Bernd Kleinow (Mundharmonika). Es gab keine Elektrogitarre und kein Schlagzeug - ungewöhnlich für das normale Rockpublikum. Doch schnell begannen die Massen zu toben. Damit war ihm auch die Aufmerksamkeit des Staates sicher.

Aber auch im Fernsehen war Diestelmann zu sehen. 1981 spielte er u.a. mit Dean Reed in dem Film "Sing, Cowboy, sing" einen Barkeeper.


Stefan Diestelmann 1984 im Palast der Republik Berlin (Video embedded: youtube.com)

Seine zunehmend systemkritischen deutschen Texte zogen die Teile der Jugend an, die sich nicht anpssen wollten. Titel wie "Reichsbahnblues" und später "Der Alte und die Kneipe" führten schließlich zu Auftrittsverboten in einem großen Teil der DDR-Bezirke. Andererseits trat er aber bei "Rock für den Frieden" und dem "Festival des politischen Liedes" auf. Gegensätze, die ihn zu einer seltsamen Mischung aus Staatskünstler und Staatsfeind machten.

1984 erhielt Diestelmann, ohne Band, die Möglichkeit zu einem Konzert in Hildesheim. Von dort kehrte er nicht wieder in die DDR zurück. Seitdem lebte er am Ammersee in Bayern. An seine großen Erfolge konnte er allerdings in der Bundesrepublik und später nach dem Fall der Mauer in den neuen Bundesländern nicht anknüpfen. Mitte der 1990er Jahre beendete er seine musikalische Karriere und gründete die Firma Diestelfilm, die Präsentations- und Dokumentarfilme produzierte.

Auf dem Ammersee (Quelle: http://www.koenau.de/)Zu Freunden und Kollegen brach er jeglichen Kontakt ab, so dass sein Tod für Außenstehende nahezu fünf Jahre unbemerkt blieb.

Das letzte Interview mit Stefan Diestelmann führte Steffen Könau auf dem Ammersee (zu sehen und zu hören hier).

Was bleibt, sind Platten mit toller Musik, Blues, wie es ihn so nicht mehr geben sollte.

Alben

1978: Stefan Diestelmann Folk Blues Band
1980: Hofmusik
1984: Folk, Blues & Boogie
1985: Stefan Diestelmann - Live
1990: Stefan Diestelmann & Roykey Wydh - Auf ein Wort
1990: Rückblick
1992: Ammersee - Impressionen eines Tages
1994: Mylights
1996: Folk, Blues, Best
 

zurück  zum Seitenanfang

w w w . l u t z m i c h a e l i s . c o m