Lutz Michaelis
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Schloss und Park Dieskau

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Das Ensemble von Schloss, Kirche und Park Dieskau gehört zu 40 ausgewählten Anlagen, die am Landesvorhaben "Gartenträume" teilnehmen. Dessen Ziel ist die Sicherung und Erschließung des gartenkulturellen Erbes in Sachsen-Anhalt.

Schloss Dieskau (Foto: Lutz Michaelis)Die Geschichte des Schlosses Dieskau ist gleichzusetzen mit der Geschichte des Geschlechts derer von Dieskau. Urkundlich erwähnt ist, dass im Jahre 1225 ein gewisser Otto mit der Wasserburg zu Dieskau belehnt wurde und dieser sich den Namen des Ortes Dieskau gab. Fortan blieb das Rittergut im Besitz derer von Dieskau. Die maßgebliche Umgestaltung zu einem dreigeschossigen Renaissanceschloss erfolgte unter Hieronymus von Dieskau (1501-1567) und Hieronymus von Dieskau d.J. (1565-1625). Später erfolgten immer wieder weitere Umbauten.

Nach dem Aussterben des Geschlechts derer von Dieskau kaufte 1746 der Oberamtmann Johann Friedrich Alburg (1683-1763) den Besitz. Dessen Tochter heiratete in zweiter Ehe 1770 Carl Christoph Hoffmann (1735-1801). Er studierte an der Universität Halle Mathematik und Philosophie. Ihm ist die Entstehung des Dieskauer Parkes zu verdanken. Aufgrund seines Wirkens wurde Hoffmann 1772 zum Kammerdirektor des Prinzen Friedrich von Preußen ernannt und 1786 an der Universität Halle zum Kanzler berufen. Für seine Verdienste um die Universität wurde er 1784 nobilitiert.

Schloss Dieskau (Foto: Lutz Michaelis)Im Jahr 1853 verkauften die Erben von Hoffmann das Schloss an den Magdeburger Kaufmann Müller, der es seinem Neffen Otto von Bülow (1812-1871) schenkte. 1854 erfolgten Um- und Neubauten am Schloss. Nach dem plötzlichen Tod von Otto übernahm sein Sohn Curt von Bülow (1843-1919) das Anwesen. Er vergrößerte es durch Ankauf von Bauerngütern. 1919 übernahm es Hans von Bülow (1884-1956). Er wurde 1938 Bürgermeister in Dieskau und machte die Gemeinde schon nach kurzer Zeit schuldenfrei. 1945 wurden die Bülows aus dem Schloss vertrieben.

Nach dem Krieg diente das Schloss als Unterkunft für Umsiedler, als Kreisparteischule der SED und bis in die 80er Jahre als Schule. Danach übernahm es die FDJ, die daraus eine Schulungsstätte machen wollte. Das Vorhaben wurde aber nie beendet und das Schloss zerfiel allmählich. 1998 kaufte es die Familie von Rauchhaupt, die es restaurieren und wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen will. Inzwischen finden wieder Führungen statt und ein Restaurant-Café mit Gartensalon, Sonnenterrasse und Gewölberäumen hat geöffnet. Im Sommer werden im Schlosshof Theateraufführungen, Musikveranstaltungen und ein Freilichtkino durchgeführt.

Der Ostflügel des Schlosses wurde als spätgotischer Fachwerkständerbau errichtet und besteht aus einem massiven Erdgeschoss und zwei aufgesetzten Fachwerkgeschossen. In gleicher Bauweise entstand der Nordflügel. Später wurde das Bauwerk, durch den Südflügel und schließlich den Westflügel ergänzt. Von 1878 bis etwa 1900 wurde das Schloss weitgehend im Stil der Neorenaissance umgestaltet. Im Innern des Gebäudekomplexes warten zahlreiche architektonische Schätze auf ihre Restaurierung. Zu nenne sind ein barockes Treppenhaus, eine spätmittelalterliche Bohlen- oder Blockstube im Ostflügel, eine der frühesten figürlichen Stuckdecken (um 1620) und in der Region einmalige Wandmalereien im Westflügel, wo sich auch ein klassizistischer Festsaal mit ovaler Decke und halbrunden Nischen, in denen Figuren standen, befindet.

Kirche St. Anna (Foto: Lutz Michaelis)Zum Schlossensemble gehört auch die Kirche St. Anna. Sie ist der heiligen Anna gewidmet und wurde wohl Anfang des 13. Jahrhunderts von den Schlossherren im romantischen Stil gebaut. Sie wurde im Laufe der Geschichte mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. 1725 wurde die Kirche dann im Barockstil erneuert. Eine weitere innere Ausgestaltung erfolgte 1728 durch den Pfarrer Hübner. Die erste Orgel, eine Contius-Orgel, wurde 1750 eingeweiht und nach einem Brand durch eine Walcker-Orgel ersetzt.

Seit 2002 findet jährlich in der Kirche der "Dieskauer Sommer" statt. Er ist zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens der Gemeinde geworden und wäre ohne das Engagement von Pfarrer G. Baumgarten (inzwischen i. R.) nicht denkbar. Die zahlreichen, sehr gut besuchten Veranstaltungen stehen unter dem Motto: "Eintritt frei - Austritt nicht".

Panorama Großer Mühlteich im Herbst (Foto: Lutz Michaelis)

Der 67 Hektar große Schlosspark entstand von 1778 bis 1784 in Zusammenarbeit Großer Mühlteich (Foto: Lutz Michaelis)von Carl Christoph Hoffmann mit dem talentierten und erst 20-jährigen Landschaftsgärtner Johann Georg Gottlieb Schoch (1758-1826) im englischen Stil nach dem Vorbild der Wörlitzer Anlagen. Dabei wurde die vorhandene Auelandschaft der Reide einbezogen. Neben Teichen entstanden ein System von Gräben und Kanälen, sowie ein verschlungenes Wegenetz.

Parkansicht (Foto: Lutz Michaelis)Parkansicht (Foto: Lutz Michaelis)Ost- und Nordseite des Parks wurden mit teils exotischen Baumarten bepflanzt. Kleine Gebäude, wie ein Chinesisches Teehäuschen, eine Orangerie und verschiedene Kleinkunstwerke sorgten für Abwechslung. Die wichtigsten Orte waren durch Sichtachsen verbunden.

Parkansicht (Foto: Lutz Michaelis)Parkansicht (Foto: Lutz Michaelis)Nach 1945 verwilderte der Park. Sichtachsen wuchsen zu, Teiche und Kanäle verlandeten, Gebäude verfielen und wurden abgerissen. Seit 1998 wird der Park durch die Gemeinde Kabelsketal mit Unterstützung des Fördervereins "Park Dieskau" schrittweise wieder hergestellt.


"Winter im Park Dieskau" (Video: Lutz Michaelis)

Großer Mühlteich (Foto: Lutz Michaelis)Großer Mühlteich (Foto: Lutz Michaelis)Zahlreiche Denkmäler sind noch heute zu sehen oder wurden restauriert und neu aufgestellt. Hier ist der 1999 gegründete Förderverein "Park Dieskau" besonders aktiv. Ihm ist es hauptsächlich zu verdanken, dass der Park nach und nach sein ursprüngliches Aussehen zurück erhält. Doch nun zu den Denkmälern:

Goldhagen-Obelisk (Foto: Lutz Michaelis)Als das Wahrzeichen des Parkes gilt der Goldhagen-Obelisk. Er wurde ca. 1789 zu Ehren des halleschen Professors für Medizin Johann Friedrich Goldhagen (1742-1788) aufgestellt. Er war mit dem Parkgründer eng befreundet. Die Inschrift auf dem Obelisk lautet: "Goldhagen, dem rechtschaffenen Manne, dem gelehrten Arzte, dem redlichen Freunde von Hoffmann". Die hohe weiße Pyramide ruht auf einem Natursteinsockel und wurde 2005 instand gesetzt.

Hoffmann-Denkmal (Foto: Lutz Michaelis)Das Hoffmann-Denkmal wurde 1801 zu Ehren des Parkgründers Carl Christoph von Hoffmann durch seinen Neffen Carl August von Hoffmann errichtet. Die Inschrift lautet: "Carl Christoph von Hoffmann aus Schlesien geb. 6. August 1735, gest. 9. Januar 1801 - Königlich Preußischer Kanzler Oberschulrat und Kammerdirektor - dem Stifter des Gartens, Menschenfreunde und Wohltäter - geweiht von seinem Neffen Carl August von Hoffmann". Die Wiederaufstellung des Denkmals erfolgte 2002.

Vater-Hoffmann-Denkmal (Foto: Lutz Michaelis)Auch schon Carl Christoph von Hoffmann ließ zur Erinnerung an seinen Vater das Vater-Hoffmann-Denkmal etwa um 1780 aufstellen. Auf dem Sockel befindet sich die Inschrift: "Dem braven Manne, dem besten Vater, sein nacheifernder Sohn H.". Das Unterteil wurde 2003 neu aufgestellt und 2004 durch eine neu angefertigte Urne vervollständigt.

Teschener Friedenssäule (Foto: Lutz Michaelis)Die Teschener Friedenssäule hat ihre Existenz dem am 13. Mai 1779 geschlossenen Teschener Frieden zwischen dem Erzherzogtum Österreich und dem Königreich Preußen zu verdanken. Auslöser des Krieges war der Tod des bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph, mit dem die Linie der Wittelsbacher ausstarb. Daraufhin erhoben einige Adelshäuser Anspruch auf Teile des Erbes. Bekannt wurde der Krieg auch als Kartoffelkrieg bzw. Zwetschgenrummel wegen der hauptsächlichen Nahrungsbeschaffung für die nur unbedeutend kämpfenden Truppen. Das Denkmal wurde etwa 1781 aufgestellt und trägt die Inschrift: "Dem Frieden, d. 13. Mai 1779". Die Wiedererrichtung auf einem neuen Sockel erfolgte 2004 zum 225. Jahrestag des Friedensschlusses. Möglicherweise stand ursprünglich auch eine Vase auf der Säule.

Flora-Statue (Foto: Lutz Michaelis)Verloren ging die etwa 1783 aufgestellte Flora-Statue. Sie wurde 2004 mit Zustimmung des Landesamtes für Denkmalpflege durch eine dem historischen Vorbild nur bedingt entsprechende Figur ersetzt.

Amor als Nachtigallenfütterer (Foto: Lutz Michaelis)Im Oktober 2007 hat die Plastik Amor als Nachtigallenfütterer im Park wieder ihren Platz gefunden. Sie wurde von dem Zwintschönaer Steinbildhauer Ulrich Janku neu gestaltet und ersetzt eine damalige Kopie des Originals, das der Weimarer Bildhauer Martin Gottlieb Klauer für den Tiefurter Park schuf.

Meier-Urne (Foto: Lutz Michaelis)Ebenfalls von Janku stammt die neu geschaffene Meier-Urne, die im Mai 2008 aufgestellt wurde. Das Original von 1778 ging verloren und war damals das erste Denkmal Deutschlands, das für eine bürgerliche Persönlichkeit aufgestellt wurde. Der Parkgründer Carl Christoph Hoffmann hatte sie seinem Lehrer und langjährigen Freund, dem Halleschen Universitätsprofessor Georg Friedrich Meier gestiftet.

Apoll von Belvedere (Foto: Lutz Michaelis)Mit der Wiederherstellung des Denkmals Apoll von Belvedere im Mai 2009 ist das Ensemble historischer Kunstwerke des Parks wieder komplett. Apoll, griechischer Gott des Lichts und der Künste, ist eine Kopie des Originals aus dem Vatikanischen Museum in Rom, das um 320 v. Chr. entstand. Die Statue wurde 1784 anlässlich eines Besuches des Prinzen Heinrich von Preußen in Dieskau aufgestellt. Sie ging aber im 19. Jahrhundert verloren.

Lyrischer Baumkreis (Foto: Lutz Michaelis)Fertig gestellt wurde 2012 der rekonstruierte "Lyrische Baumkreis", eine Art begehbares Poesiealbum, in das sich Freunde einschreiben durften. Ein Besucher nannte den Baumkreis 1796 auch "Stammbuch des Gartens". Nach überlieferten Texten wurden auf fünf Tafeln, die an Lyrischer Baumkreis - Texttafel (Foto: Lutz Michaelis)Bäumen angebracht wurden, Gedichte über die Freundschaft dokumentiert. Sie richteten sich offensichtlich an den damaligen Schlossherren und Parkgründer Carl Christoph Hoffmann und stammten von Freunden des Dieskauer Parks. Dieser "Lyrische Baumkreis" ist weltweit einmalig.

Chinesische Teehaus Nachbildung (Foto: Lutz Michaelis)Am 17. Mai 2014 wurde das größte Vorhaben des Parkvereins feierlich eingeweiht. An historischer Stelle steht nun auf einem mit Feldsteinen Chinesische Teehaus Nachbildung (Foto: Lutz Michaelis)bewehrten Sockel mit integrierter Grotte die Nachbildung des Chinesischen Teehauses in Form eines metallenen Kunstwerkes. Es wurde von dem Metallbildhauer Jörg Bochow geschaffen. Das Original wurde 1784 unter Carl Christoph von Hoffmann errichtet und die verbliebene Ruine 1949 abgerissen. Von der Plattform hat man einen hervorragenden Blick in den Pleasureground und hinüber zum Schloss und zur Ruine der Orangerie. Das wiedererrichtete Teehaus wird  auch für Veranstaltungen zur Verfügung stehen und damit das kulturelle Leben der Gemeinde Dieskau weiter bereichern.

Osttor (Foto: Lutz Michaelis)Falls man etwas Glück hat, trifft man auch auf moderne Kunst im Rahmen von gelegentlichen Sonderaustellungen. In diesem Zusammenhang ist es auf Anregung vieler Bürger gelungen, das von dem Halleschen Metallkünstler Jörg Bochow geschaffene "Osttor" 2008 anzukaufen und damit ein weiteres Kunstwerk dauerhaft zu installieren. Zwei weitere Metall-Skulpturen des Künstlers waren von 2009 bis 2011 ausgestellt.

Bäume im Park Dieskau (Foto: Lutz Michaelis)Bäume im Park Dieskau (Foto: Lutz Michaelis)Aber auch die Natur ist nicht sparsam. So findet man im Park etwa 48 Baumarten, wie Platanen, Erlen, Buchen, Linden, Eichen, aber auch Sumpfzypressen und Weymouthskiefern. Von den 176 vorkommenden Vogelarten brüten hier ca. 80. Der Dieskauer Park stellt damit einen wertvollen natürlichen Lebensraum dar.

Überfluteter Park am 28.09.2010 (Foto: Lutz Michaelis)Überlauf des Großen Mühlteiches am 28.09.2010 (Foto: Lutz Michaelis)Doch die Natur wird immer öfter bedroht. Einen großen Anteil daran haben die Menschen selbst. Mit der nahezu perfekten Beseitigung der ursprünglichen Naturlandschaften werden die Folgen immer unberechenbarer. Überlauf des Großen Mühlteiches am 28.09.2010 (Foto: Lutz Michaelis)So auch am 28.09.2010, als der sonst kleine und harmlose Bach Reide, in den auch die Kabelske mündet, den Park nach heftigem Regen teilweise überflutete und auch den Großen Mühlteich über die Ufer treten ließ.

Doch noch sind solche extremen Ereignisse selten und mögen es auch bleiben. Deshalb lohnt sich zu jeder Jahreszeit ein Besuch des Parks. Auch die vegetationsarme Jahreszeit hat ihre Reize, wie die Fotoserie der Park im Winter zeigt.

Füße im Weg (Foto: Lutz Michaelis)

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